NABU-Gruppe Voerde - Info Schwarzspecht

Informationen zum Schwarzspecht

fliegender Schwarzspecht
Im Jahr 1981, als über das Waldsterben noch nicht so viel gesprochen wurde, hat der NABU den Schwarzspecht zum Vogel des Jahres gekürt, um deutlich zu machen, dass diese schöne Vogelart eine sehr wichtige Pionierart ist - weil sie den Wald für viele andere Höhlenbrüter erschließt. Sein wissenschaftlicher Name ist Dryocopus martius, was übersetzt "Eichenhämmerer" heißt. Er ist der größte europäische Specht mit einer Größe von 40 bis zu 50 cm und einem Gewicht von 300-350 g.

Kennzeichen

Er ist insgesamt matt schwarz gefärbt, die Männchen haben einen komplett roten Scheitel, die Weibchen einen kleineren roten Nackenfleck. Jungvögel sind glanzlos braunschwarz gefärbt. Die Iris ist weißlich-blassgelb, der gelbliche Schnabel ist etwa 5 cm lang, mit deutlich längerer Zunge, der Hals ist auffallend dünn und weniger dicht befiedert. Er fliegt mit gerader Flugbahn und nicht in Bögen, wie es sonst bei Spechten bekannt ist. Bei uns ist der Schwarzspecht Jahres-/Standvogel.<

Spechte allgemein

Er gehört zur Familie der Spechte, die alle Höhlenbrüter sind und die fast alle ihre Nisthöhlen selbst zimmern und spezialisiert sind auf das Klettern an senkrechten Bäumen. Dazu besitzen sie an den Füßen je vier kräftige, bewegliche Zehen, die paarweise nach vorn und nach hinten gerichtet sind, mit starken, scharfen Krallen. Sein Schwanz wird gebildet aus festen, steifen Steuerfedern die beim Halten und Klettern an senkrechten Baumstämmen als Stützschwanz dienen.

Höhlen

Die Höhlen, in denen er brütet und schläft meißelt er mit kräftigen Schlägen mit seinem langen, kantigen, kräftigen Schnabel auch aus hartem Holz heraus. Diesen benutzt er auch zum Nahrungserwerb, indem er auf diese Weise Gänge von im Holz versteckten Käfern und Larven freilegt und diese dann mit seiner langen, klebrigen Zunge, die an der Spitze mit kleinen Widerhaken versehen ist, herauszieht.

Stimme/Laute

Sein Revierruf ist eine klingende Rufreihe die gezogen beginnt, etwa "kwoih-kwihk-kwih". Oft kann man auch sein typisches, "kliie-äh" nach dem Landen hören. Weitere Laute sind sein Standortruf, abfallend "kliööh" und das spechttypische Trommeln. Seine kräftigen Trommelwirbel mit bis zu 17 Schlägen/sec an resonanzgebendem Holz sind oft mehr als 2 km weit hörbar.

Lebensraum

Der Schwarzspecht bewohnt größere Wälder aller Art mit Altholzbeständen, die für die Anlage von Brut- und Schlafhöhlen sehr wichtig sind. Bevorzugter Höhlenbaum ist die Buche, gefolgt von Waldkiefer und Weißtanne, alle mit meist größeren Stammdurchmessern.

Brutplatz / Brut / Nest

Obwohl Schwarzspechte eigentlich Einzelgänger sind, leben sie in monogamer Saisonehe. Die Paarungszeit liegt im April bis Juni. Im Januar/Februar beginnt eine langsame Paarbindung mit langen "kwih"-Rufen und langsamer Annäherung an die Schlafhöhle des Partners. Dabei gibt es häufig ein Klopfkonzert, einer innerhalb, der andere außerhalb der Höhle. Während der Balzzeit im Februar/März und der Brutzeit verteidigt das Paar das gemeinsame Revier. Das "Nest" wird vom Männchen ausgesucht und besteht aus einer selbstgezimmerten Höhle meist hoch am Stamm in 8-15 m Höhe unterhalb der Krone. Für jede Brut wird eine neue Höhle gebaut, obwohl die wirkliche Brut auch oft in einer "alten" stattfindet. Das Eingangsloch befindet sich oft an defekten Stellen im Stamm, ist hochoval, ca. 9x12 cm und im Eingangsbereich nach außen abgeschrägt, damit Wasser nicht einfach eindringen kann. Die Tiefe des Innenraums beträgt meist 30-50 cm, die Breite etwa 25 cm. Beide Partner sind an der Erstellung der Bruthöhle beteiligt. Es gibt nur eine Brut pro Jahr, etwa Mitte April bis Mai, jedoch bei Gelege-Verlusten Ersatzbruten. Es werden 3-6 Eier gelegt, spitzoval, weiß, etwa 35x26 mm. Die Brutzeit dauert 12-13 Tage, beide Partner brüten, bei der Brutablösung erfolgen leise "Rürr"-Rufe. Die Jungvögel sind Nesthocker, die Nestlingszeit beträgt 24-28 Tage, sie werden von beiden Eltern versorgt.

Ernährung

Die Nahrung des Schwarzspechts besteht zum größten Teil aus Ameisen, die er am Boden oder auch im Innern kranker Bäume findet. Ebenso ernährt er sich von im Holz lebenden Insekten, Larven und Puppen, Borken- Bock- und Rüssel-Käfern die er mit einem einzigen Schnabelhieb zielgenau freilegt. Daneben auch von Raupen, Spinnen und kleinen Schnecken und auch Eiern anderer Vögel. Nur selten werden auch Beeren und Früchte angenommen.

Verbreitung

Der Schwarzspecht ist in Deutschland weit verbreitet, die Bestände zeigen einen positiven Trend. Das Verbreitungsgebiet liegt in der gemäßigten Zone von SW-Europa, Frankreich, Norwegen und nach Osten bis nach Nord-Japan. In Europa ist er im Flachland bis in die Höhe der subalpinen Zone anzutreffen.

Gefährdung

Ein Brutpaar lebt in der Regel in einem Revier von etwa 300-400 ha, unter günstigen Bedingungen auch in deutlich kleineren. Der Bruterfolg liegt meist bei etwa 50%, oft bedingt durch Regenwasser-Einbrüche in den Nestraum und durch Ausräuberung durch Baummarder. Balzende und bauende Spechte fallen auch oft dem Habicht, Sperber, Wanderfalke und Uhu zum Opfer. Das Höchstalter liegt im Freiland bei etwa 7 Jahren.

Bestand

Der Bestand des Schwarzspechts muss zwar derzeit als nicht bedroht angesehen werden, aber er ist weiterhin von der Forstwirtschaft abhängig. Bei der Erstellung von ADEBAR (Atlas DEutscher Brutvogel ARten) wurde für Deutschland eine Bestandsgröße von 31.000-49.000 Reviere ermittelt (etwa 2-7 % des EU-Bestands). Die dauerhafte Erhaltung dieses Bestandes ist weiterhin dringend erforderlich wegen des sehr wichtigen Schutzes weiterer bis zu 60 wald-/höhlenbewohnender Arten, die auf die Höhlenbauten des Schwarzspechtes angewiesen sind. Dazu zählen: Hohltaube (Hauptnutzer), Dohle, Rauhfußkauz, Schellente, Bilche, Fledermäuse, Eichhörnchen, Hornissen, Wildbienen, Wespen

Schutz

Höhlenbäume müssen langfristig gesichert und erhalten werden! Wichtig ist auch das Belassen von Totholz, Stubben und gefallenen Holzes in den Wäldern, sowie die drastische Einschränkung des Biozideinsatzes. Und ein ausreichender Anteil von Alt- und Totholz, der auch im Wirtschaftswald geduldet werden muss.



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